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Cafe Silberstein / Bar ambulance

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Cafe Silberstein / Bar ambulance

Cafe Silberstein / Bar ambulance

Cafe Silberstein / Bar ambulance

Café Silberstein was one of Berlin’s essential venues for art and music in the early post-Wall years. It opened in Berlin-Mitte at the start of the wild 1990s, quickly becoming a meeting point for artists, musicians, and creatives. Figures such as Susanne Rast, Rolf Biebl, Sabine Herrmann, and Klaus Killisch left their mark on the café’s identity through their art. The distinctive iron furniture, designed by Sangare Siemsen and Lutz Penndorf, became a visual trademark — itself inspired by an exhibition by Susanne Rast at the Wilfriede Maaß gallery, where Dirk Wunderlich had welded iron furniture to display ceramic works.

Night after night, DJs filled Silberstein with music. Ed 2000 ran his office from the café and curated the musical program. Thanks to Sangare, I had the chance to regularly show large-format paintings at Silberstein, becoming part of its dynamic cultural scene.

A decade later, Bar Ambulance opened next door. Sangare invited me to create a ceiling piece using LPs from his early ’90s DJ sets — a project that marked the beginning of my collage-based painting practice. Punk pop on canvas.

Over time, Silberstein evolved constantly, responding to new ideas and opportunities. This adaptability was visible in the shifting furniture and in ventures like a Japanese restaurant that once occupied the space. Perhaps it was this openness to change that allowed Silberstein to remain a central place in Mitte for two decades.

Yet, like many creative enclaves in Berlin, it faced the pressures of a changing city. As Berlin became more expensive and commercialized, the very artists and free spirits who had shaped its culture were gradually pushed out. In 2011, after 20 years, Café Silberstein and Bar Ambulance closed their doors for good — leaving behind a lasting legacy from a singular chapter in Berlin’s cultural history.


Das Café Silberstein war ein besonderer Ort für Kunst und Musik in Berlin. Zu Beginn der wilden 90er Jahre eröffnete es in Berlin-Mitte. Die Eisenmöbel von Sangare Siemsen und Lutz Penndorf wurden zu einem Markenzeichen. Künstler wie Susanne Rast, Rolf Biebl, Sabine Herrmann prägten mit ihrer Kunst das Silberstein. Viele DJs  legten dort jede Woche auf. Dank Sangare hatte ich die Möglichkeit, große Bilder im Silberstein regelmäßig zu zeigen. 10 Jahre später machte die Bar ambulance neben dem Silberstein auf. Sangare fragte mich, ob ich nicht mit seinen LPs, die er Anfang der 90er aufgelegt hatte, ein Deckenbild machen könnte. Das war der Beginn meiner Collagen-Malerei. Punk-Pop auf Leinwand.

Berlin hat einen typischen Wandel durchlaufen: Künstler und Kreative haben die Stadt interessant, lebendig und offen gemacht. Aber es ist teuer geworden, und so sind genau diese Leute die ersten, die weiterziehen. 2011 mussten das Cafe Silberstein und die Bar ambulance für immer schließen…

Cafe Silberstein, 1991 – 2011 / Bar ambulance, 2003 – 2011

 

 

Klaus Killisch, How to Eat Like the Japanese, 1998-99, book, 29 x 20cm, designed for Silberstein

Café Silberstein: Eine Keimzelle der Berliner Kunst- und Musikszene nach dem Fall der Mauer

Das Café Silberstein war weit mehr als ein gewöhnliches Café. Es gehörte zu jener Generation von Orten, die das kulturelle Klima des frühen Nachwende-Berlins entscheidend prägten – zugleich Wohnzimmer, Galerie und informeller Clubraum. Gerade in dieser Offenheit lag seine besondere Bedeutung: Das Silberstein war kein spezialisierter Veranstaltungsort, sondern ein sozialer und künstlerischer Knotenpunkt, an dem bildende Kunst, elektronische Musik, Subkultur und die sich neu formierende Berliner Identität aufeinandertrafen.

In den 1990er Jahren, als Berlin-Mitte noch von Leerstand, Experimentierfreude und improvisierten Freiräumen geprägt war, entwickelte sich das Silberstein unter der Leitung von Sangare Siemsen zu einem Treffpunkt für Künstler, Musiker, DJs und Kreative. Die von Sangare Siemsen und Lutz Penndorf entworfenen Eisenmöbel wurden ebenso charakteristisch für den Ort wie die wechselnden Ausstellungen an den Wänden. Künstler wie Klaus Killisch, Rolf Biebl, Sabine Herrmann und Susanne Rast prägten mit ihren Arbeiten die visuelle Atmosphäre des Hauses. Kunst fungierte hier nicht als Dekoration, sondern als integraler Bestandteil eines gesamtkünstlerischen Erlebnisses.

Eine zentrale Rolle für die musikalische Entwicklung spielte Corin Arnold, der sein Studio im Silberstein hatte und als Booker das musikalische Programm maßgeblich mitgestaltete. Als früher Akteur der Berliner DJ- und Clubszene verfügte er über ein weitreichendes Netzwerk und brachte kontinuierlich neue musikalische Impulse in den Ort ein. Seine Tätigkeit als DJ, Kurator und Vermittler machte das Silberstein zu einer Plattform der noch jungen elektronischen Musikszene Berlins.

Neben jungen Nachwuchskünstlern traten dort auch bereits etablierte internationale DJs und Produzenten auf. Künstler wie Thomas Fehlmann oder Mixmaster Morris legten im Silberstein auf und nutzten den Ort als experimentellen Raum für musikalischen Austausch, improvisierte Sessions und genreübergreifende Zusammenarbeit. Dadurch entstand eine besondere Verbindung zwischen lokaler Berliner Szene und internationalen Strömungen elektronischer Musik.

DJs wie Ellen AllienMarcos LopezClé oder Paul Kalkbrenner stehen exemplarisch für jene Generation von Künstlern, deren Entwicklung eng mit den Berliner Off-Locations der 1990er Jahre verbunden war. Das Silberstein gehörte zu den Räumen, in denen junge DJs regelmäßig auftreten, experimentieren und Erfahrungen sammeln konnten, lange bevor sie internationale Bekanntheit erlangten. Gerade diese offenen, hybriden Orte waren entscheidend für die Herausbildung einer eigenständigen Berliner Clubkultur nach dem Mauerfall.

Besondere Bedeutung erlangte das Silberstein zudem durch Veranstaltungen wie die Interference– und Intervision-Festivals, die den Ort zeitweise zu einem Zentrum experimenteller Klangkunst, elektronischer Musik und interdisziplinärer Kulturproduktion machten. Die Festivals verbanden Live-Performances, audiovisuelle Experimente, DJ-Kultur und bildende Kunst miteinander und spiegelten damit exemplarisch den offenen, grenzüberschreitenden Charakter der Berliner Kulturszene jener Jahre wider. Internationale Künstler trafen hier auf lokale Akteure, spontane Kooperationen entstanden, und neue ästhetische Entwicklungen konnten sich abseits institutioneller Strukturen entfalten.

Mit der Eröffnung der Bar ambulance Anfang der 2000er Jahre wurde dieses Konzept konsequent weitergeführt. Die Bar bot DJs und Künstlern eine kontinuierliche Plattform und schuf fließende Übergänge zwischen Café, Bar, Galerie und Club. Sie war Teil jener kleinteiligen kulturellen Infrastruktur, aus der die internationale Ausstrahlung der Berliner Musikszene hervorging. Viele künstlerische Karrieren entstanden nicht in den großen Institutionen oder Clubs, sondern in solchen informellen Räumen, in denen Begegnung, Austausch und Experiment möglich wurden.

Historisch betrachtet war das Silberstein daher weniger ein einzelner Veranstaltungsort als vielmehr ein kulturelles Ökosystem. Seine Bedeutung lag in der Verbindung von Kunst und Musik, Ausstellung und Nachtleben, lokalen Szenen und internationalen Gästen. Es verkörperte jenes Berlin der 1990er und frühen 2000er Jahre, in dem kulturelle Grenzen bewusst aufgehoben wurden und aus spontanen Begegnungen neue künstlerische Netzwerke entstanden. Mit der Schließung von Café Silberstein und Bar Ambulance im Jahr 2011 endete ein prägendes Kapitel der Berliner Subkulturgeschichte.

Aus heutiger Perspektive lässt sich das Silberstein als einer der unterschätzten Inkubatoren der Berliner Kunst- und Musikszene beschreiben – vergleichbar mit anderen legendären Off-Orten der Nachwendezeit, die heute vor allem in Erinnerungen, Archiven und Erzählungen weiterleben.


Café Silberstein: An Incubator of Berlin’s Post-Wall Art and Music Scene

Café Silberstein was far more than a café. It belonged to a generation of places that helped shape the cultural climate of post-reunification Berlin — at once a living room, gallery, and informal club space. Its significance lay precisely in this openness. Silberstein was not a specialized venue but a social and artistic hub where visual art, electronic music, subculture, and the emerging identity of the new Berlin intersected.

During the 1990s, when Berlin-Mitte was still defined by vacant buildings, experimentation, and improvised cultural spaces, Silberstein developed under the direction of Sangare Siemsen into a meeting place for artists, musicians, DJs, and creative thinkers. The distinctive steel furniture designed by Sangare Siemsen and Lutz Penndorf became as characteristic of the venue as the constantly changing exhibitions on its walls. Artists including Klaus Killisch, Sabine Herrmann, and Susanne Rast shaped the visual atmosphere of the space. Art was not decoration; it was an integral part of the experience.

A key figure in the venue’s musical development was Corin Arnold, who maintained his studio at Silberstein and, as booker and curator, helped shape its musical program. As an early protagonist of Berlin’s DJ and club culture, he brought an extensive network of artists and musicians into the space, continuously introducing new sounds and ideas. Through his work as a DJ, curator, and cultural connector, Silberstein became an important platform for Berlin’s emerging electronic music scene.

Alongside young local talent, the venue also hosted established international artists. DJs and producers such as Thomas Fehlmann and Mixmaster Morris performed at Silberstein and used it as a space for experimentation, collaboration, and spontaneous musical exchange. Their presence created a unique dialogue between Berlin’s local underground scene and international developments in electronic and ambient music.

Artists such as Ellen Allien, Marcos López, Clé, and Paul Kalkbrenner represent a generation whose artistic development was closely linked to Berlin’s independent cultural spaces of the 1990s. Silberstein was one of the places where young DJs could regularly perform, experiment, and gain experience long before achieving international recognition. These open and hybrid venues were crucial to the emergence of Berlin’s distinctive club culture after the fall of the Wall.

Silberstein’s importance extended beyond its regular program through events such as the Interference and Intervision Festivals, which transformed the venue into a focal point for experimental music, sound art, and interdisciplinary cultural production. Bringing together live performances, audiovisual experiments, DJ culture, and contemporary art, these festivals embodied the spirit of creative exchange that defined Berlin during this period. International guests met local artists, spontaneous collaborations emerged, and new aesthetic ideas could develop outside established institutional frameworks.

With the opening of Bar Ambulance in the early 2000s, this concept was expanded further. The bar provided a regular platform for DJs, musicians, and artists, creating fluid transitions between café, bar, gallery, and club. It formed part of the grassroots cultural infrastructure from which Berlin’s international reputation as a center of contemporary music and nightlife evolved. Many artistic careers were nurtured not in major institutions but in informal spaces such as these, where encounter, experimentation, and exchange were possible.

From a historical perspective, Silberstein was less a single venue than a cultural ecosystem. Its significance lay in the connection of art and music, exhibition and nightlife, local communities and international visitors. It embodied the Berlin of the 1990s and early 2000s, a city where cultural boundaries were deliberately blurred and where new artistic networks emerged through spontaneous encounters.

The closure of Café Silberstein and Bar Ambulance in 2011 marked the end of an important chapter in Berlin’s cultural history. Today, Silberstein can be understood as one of the overlooked incubators of Berlin’s art and music scene — comparable to other legendary independent venues of the post-Wall era whose influence survives through archives, memories, and the artists whose careers they helped shape.

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