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brennzeiten

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Die Keramik-Werkstatt und Galerie Wilfriede Maaß
Ein kollektives Projekt der 1980er- und 1990er-Jahre in Ost-Berlin

Galerie Forum Amalienpark, Berlin
20. September – 25. Oktober 2014

Kuratiert von Ingeborg Quaas, Sabine Herrmann, Henryk Gericke und Klaus Killisch

Die Ausstellung brennzeiten widmete sich der Geschichte der Keramikwerkstatt und Galerie Wilfriede Maaß und dem künstlerischen Netzwerk, das sich seit den frühen 1980er-Jahren um diesen Ort in der Schönfließer Straße 21 in Berlin-Prenzlauer Berg entwickelte.

Die Werkstatt war Produktionsort und Treffpunkt zugleich. Künstler:innen, Autor:innen und Musiker:innen begegneten sich hier, arbeiteten gemeinsam und fanden einen Freiraum außerhalb der offiziellen Kulturinstitutionen der DDR. Neben den von Wilfriede Maaß gefertigten und von Künstler:innen bemalten Keramiken entstanden in diesem Umfeld Künstlerbücher, Zeitschriften, Plakate, Malerei, Skulptur und Fotografie.

Viele Künstler:innen nutzten die Keramik als unmittelbares Experimentierfeld. Teller, Tassen, Kannen und Vasen wurden zu Bildträgern, auf denen sich unterschiedliche künstlerische Handschriften mit den von Wilfriede Maaß entwickelten Formen verbanden. Zugleich bot die Arbeit mit Keramik für einige der Beteiligten eine Möglichkeit, unabhängig vom offiziellen Kunstbetrieb Geld zu verdienen.

Ende der 1980er-Jahre entstand aus diesem Umfeld die Galerie Wilfriede Maaß, gegründet von Wilfriede Maaß, Sabine Herrmann, Klaus Killisch und Petra Schramm. Die Werkstatt wurde damit zugleich zum Ausstellungsraum. Eingeladene Künstler:innen experimentierten mit Keramik und präsentierten diese Arbeiten im Dialog mit Malerei, Zeichnung, Skulptur und Installation.

Nach 1990 öffnete sich der Kreis zunehmend für Künstler:innen aus Ost und West. 1995 zog die Galerie in die Gipsstraße in Berlin-Mitte. Zu den besonderen Projekten dieser Zeit gehörte die 1996 von Mikael Eriksson eingerichtete Sake-Bar, für die Künstler:innen wie Susanne Rast, Laura Bruce, Ronald Lippok, Reiner Görß, Jörg Herold, Neo Rauch und Carsten Nicolai Sake-Geschirr gestalteten. 1998 endete die Galeriearbeit; Wilfriede Maaß verlegte ihre Werkstatt nach Mecklenburg.

brennzeiten brachte diese Geschichte 2014 erstmals in einer umfangreichen Ausstellung wieder zusammen. Historische Keramiken, Kunstwerke, Dokumente und Fotografien zeichneten nicht nur die Geschichte einer Werkstatt nach, sondern machten ein Netzwerk sichtbar, in dem künstlerische Produktion, Freundschaft, Alltag und gesellschaftlicher Freiraum eng miteinander verbunden waren. Die Gründung der Galerie Wilfriede Maaß führte diese gemeinsame Erfahrung weiter. Die in den 1980er Jahren entstandene kreative Energie endete nicht mit dem Fall der Mauer, sondern wirkte in das Berlin der 1990er Jahre hinein und trug zur Entwicklung einer offenen, international wahrgenommenen Kunst- und Kulturszene bei.

Zur Ausstellung erschien das Buch brennzeiten. Die Keramik-Werkstatt Wilfriede Maaß. Ein Zentrum des künstlerischen Offgrounds in Ostberlin. 1980–1989–1998 im Lukas Verlag.

Begleitend zur Ausstellung fanden Gespräche mit Zeitzeug:innen und Beteiligten statt, darunter Christoph Tannert, Bert Papenfuß, Henryk Gericke, Ekkehard Maaß, Peter Böthig, Wilfriede Maaß, Petra Schramm und Sabine Herrmann.

2026 wurde die Geschichte der Werkstatt mit der von Daniel Milnes kuratierten Ausstellung Die Werkstatt von Wilfriede Maaß im DAS MINSK in Potsdam erneut aufgegriffen.

Beteiligte Künstler:innen
Renate Anger, Romen Banerjee, Rolf Biebl, Laura Bruce, Mikael Eriksson, Sophie Fabien, Reiner Görß, Angela Hampel, Sabine Herrmann, Uta Hünniger, MK Kaehne, Ralf Kerbach, Klaus Killisch, Peter Krauskopf, Wolfgang Leber, Helge Leiberg, Walter Libuda, Werner Liebmann, Ronald Lippok, Rosa Loy, Sarah Marrs, Wilfriede Maaß, Carsten Nicolai, Susanne Rast, Neo Rauch, Reinhard Sander, Frank Sanderink, Mita Schamal, Wolfram Adalbert Scheffler, Hans Scheuerecker, Christine Schlegel, Cornelia Schleime, Petra Schramm, Frank Seidel, Sangare Siemsen, Christopher Haley Simpson, Charlotte Malcolm-Smith, Holger Stark, Karla Woisnitza, Tanja Zimmermann.

Veranstaltungen
1. Oktober 2014
Die Keramikwerkstatt – Der literarische und politische Ort
Bert Papenfuß und Henryk Gericke im Gespräch mit Christoph Tannert
10. Oktober 2014
Von der Küchenlesung zur Keramikwerkstatt
Der Liedermacher Ekkehard Maaß im Gespräch mit Peter Böthig
16. Oktober 2014
Von der Keramikwerkstatt zur Galerie Wilfriede Maaß
Wilfriede Maaß und Petra Schramm im Gespräch mit Sabine Herrmann
 ►Audio

Publikation / Presse
Zur Ausstellung erschien das Begleitbuch brennzeiten im Lukas Verlag sowie ein Videointerview mit Wilfriede Maaß.
Presse: Tagesspiegel, Berliner Zeitung, taz
Ausstellungsverzeichnis der Galerie: PDF

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SELECTED CERAMICS

For English text, scroll down.

 


 

Wilfriede Maaß – Eine Annäherung.
Das Interview führten Ingeborg Quaas und Sabine Herrmann in Schlemmin am 12.5.2014.
Kamera, Schnitt: Franziska Quaas Licht: Bernhard Freutel
Gefördert durch den Hauptstadt Kulturfond und durch das Kulturamt Pankow

 


 

brennzeiten revisited the history of Wilfriede Maaß’s ceramic workshop in East Berlin and the network of artists that developed around it from the early 1980s onward. The workshop in Schönfließer Straße was more than a place for producing ceramics. It became a meeting point for artists, writers, and musicians—a space for exchange, experimentation, and collaboration beyond official cultural institutions.

For many of the artists involved, ceramics opened up another field of artistic practice. Drawings, figures, texts, and pictorial ideas moved onto plates, vessels, and sculptural forms, extending painting and drawing into fired clay.

In 1989, this network led to the founding of Galerie Wilfriede Maaß. The gallery carried the experience of the workshop into a self-organized space for exhibitions, music, readings, performances, and encounters.

brennzeiten was therefore conceived not simply as a retrospective of the ceramic workshop. An important aspect of the exhibition was to show how a collective, self-organized project in 1980s East Berlin created a network that enabled artistic independence. This creative energy continued beyond the fall of the Wall and became part of the rapidly changing cultural landscape of Berlin in the 1990s.

 

 

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